Just Ask mit Lars Kemnitz

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Heute gibt es eine neue Runde Just Ask, diesmal mit Multitalent Lars Kemnitz – Blogger, Fotograf, Art Director und Designer des “Beeren auf Joghurt” Kalenders 2015, der aktuell bei Selekkt erhältlich ist. Ich freue mich, dass du dich in die Serie einreihst, lieber Lars und ich bin schon gespannt auf kommende Projekte und Produkte!

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Hi Lars, stell dich doch bitte einmal vor.

Moin, ich bin Lars, 26 Jahre alt und komme ursprünglich aus Kiel. Fürs Studium bin ich nach Hamburg gezogen und hier hat’s mich bisher auch nicht weggelockt. Ich brauche die Nähe zum Meer, außerdem mag ich den trockenen Humor, das etwas Spröde, die Gelassenheit der Menschen sowie die vielen schönen und unterschiedlichen Ecken der Stadt. Meinen Alltag verbringe ich als Art Director in einer Werbeagentur, fokussiert auf Konzeption und Kreation von vorwiegend digitalen Projekten. Das hat viel mit Analyse und Struktur zu tun, hat einen sehr technischen Hintergrund, wobei meine Arbeit meistens getan ist, sobald die technische Umsetzung beginnt.

Als Kontrast und zum Ausgleich verfolge ich nebenher, d.h. abends und am Wochenende, eigene Projekte. Im kommenden Januar beispielsweise feiert mein Blog Lars’ Fundbureau sein fünfjähriges Bestehen. Das hätte ich damals nie für möglich gehalten, ist echt Wahnsinn. Dort schreibe ich über Fotografie, hauptsächlich solche im Kontext von Mode. Ein Modeblog, wie ich ihn verstehe, ist es aber nicht. Vielmehr sammele ich Inspirationen aus aktuellen Veröffentlichungen, stelle spannende Fotografinnen und Fotografen vor oder sinniere ganz subjektiv übers Zeitgeschehen. Wenn ich meinen Blog mal vernachlässige, dann vermutlich weil ich gerade an einer neuen fotografischen Arbeit sitze. Denn ich schreibe nicht nur über Fotografie, ich bin auch selbst aktiv tätig. Dazu gehören Auftragsarbeiten und freie Projekte, wobei die Referenzen hinsichtlich der Ästhetik im Mode-, Film- und Kunstbereich zu finden sind. Die Themen, die mich hier interessieren und beeinflussen, sind sehr vielfältig; sie reichen von Portraits bis hin zu Architektur. Basierend auf meinen Fotografien entstehen Produkte wie mein erster Bildband S/W, der im Sommer erschien, oder mein aktueller Kalender Beeren auf Joghurt 2015.

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Was hat dich dazu bewogen, deinen eigenen Kalender herauszubringen?

Es begann vor drei Jahren mit einem Kalender, der allerdings nur für private Zwecke gedacht war. Ich verschenkte ihn an Freunde. Die Idee dazu kam mir, weil ich mich sehr schwer tat im Überangebot des Marktes ein Exemplar zu finden, das mir gefiel. Ich wollte weder Impressionisten noch Leuchttürme, sondern etwas Besonderes. Letztes Jahr beschloss ich dann, den Versuch zu wagen, meinen Kalender auch anderen Menschen zugänglich zu machen, sprich ihn zu verkaufen. Es lief, sagen wir, okay. Wie vorher vermutet, war es ziemlich schwer als ein Niemand in dem Bereich ein Produkt loszuwerden. Da braucht’s etwas Geduld und Ausdauer. Fürs kommende Jahr nun gibt’s wieder einen Kalender, für den ich allerdings einen komplett anderen kreativen Ansatz wählte.

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Was macht deine Kalender besonders?

Für die beiden vorigen Kalender durchstöberte ich jeweils mein Archiv an Fotografien. 2013 waren die Motive noch gegenständlich, 2014 wurde es abstrakter. Ich mag es generell, wenn ich ein Motiv immer und immer wieder betrachten kann, weil dieses sich nicht sofort erschließt. Ich mag auch komplexe Strukturen und geometrische Spielereien. Ersteres erkennt man an den Motiven, Letzteres am Design.

Für 2015 hatte ich mir vorgenommen, einen Konzeptkalender zu entwerfen. Aus einer fixen Idee, die mir beim sonntäglichen Frühstück kam, wurde eine Serie, für die ich verschiedene Beeren auf Joghurt ablichtete. Die analogen Aufnahmen manipulierte ich später digital, um den dokumentarischen Charakter auszublenden und alles in Richtung Pop Art zu verschieben. Das Ergebnis ist, denke ich, sehr ungewöhnlich. Thematisch ohnehin, aber auch visuell. Und damit landen wir bei dem, was ich an meinem Kalender schätze: Er überrascht, fordert heraus und bleibt dennoch zugänglich. So ein Kalender ist ja wie ein Bild, das man an die Wand hängt. Ich frage mich oft, während ich gestalte, ob ich mir vorstellen kann, diesen Kalender ein Jahr lang anzustarren. Ob er die Qualität hat. Und erst wenn ich zufrieden bin, lasse ich ihn auf die Menschheit los :) Ich hoffe, das beantwortet ein wenig deine Frage. Ich könnte auch behaupten, es sei der geilste Kalender auf dem Planeten, aber dafür ist die Sache doch zu geschmäcklerisch. Ich bin niemandem böse, der mit meinem Kalender nichts anfangen kann. Freue mich jedoch umso mehr über jeden, der darin etwas sieht und das nächste Jahr mit ihm verbringen möchte.

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Du bist Art Director, Fotograf, Blogger und Designer in einem. Konntest du in der Schule auch nie still sitzen?

Och, schon. Ich bin an sich ein ziemlich ruhiger und entspannter Zeitgenosse, eher zurückhaltend. Deine Vermutung ist aber richtig dahingehend, dass ich mich schon immer zu beschäftigen wusste. Neugier und der Wille, Neues auszuprobieren, zu experimentieren und abzuwarten, was dabei entsteht – das ist, was ich mag. Die Übergänge zwischen Fotografie und Blog und Design und jeder anderen kreativen Tätigkeit sind absolut fließend bei mir. Das geschieht ganz natürlich, ich zwinge mich nicht dazu. Mit Zeitmangel hadere ich indes etwas. Und mit fehlender Muße. Es gibt Tage, an denen ich einfach nicht motiviert bin, nach der Agentur noch einen Blogbeitrag zu schreiben oder Fotos zu scannen und zu bearbeiten. Dann setze ich mich aufs Sofa und schaue einen Film oder Fußball. Oder surfe gedankenverloren durchs Internet. Nicht auszuschließen ist, dass gerade dadurch wieder neue Ideen geboren werden. Etwas Abstand zu sich und dem eigenen Schaffen tut oftmals echt gut, muss ich sagen. Ich kann nur nicht so richtig lange nichts tun. Nach spätestens drei Tagen juckt es mich wieder in den Fingern.

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Wie verbringst du deine Freizeit am liebsten wenn du mal nicht mit Fotografieren, Bloggen oder Gestalten beschäftigt bist?

Dann treffe ich mich mit Freunden auf ein Bier oder gehe gut essen. Oder ins Kino, das für mich wie Theater ist. Ich liebe Filme, suche mir sehr genau aus, was ich mir anschaue und schaue sehr bewusst. Oder ich verreise, am liebsten ganz weit weg. Urlaub auf Balkonien ist nicht mein Ding, da kann ich nicht abschalten. Auch nicht in Hamburg. Auf meiner Weltkarte gibt es noch so viele Orte, die besucht werden wollen… Ich glaube, ich bin schlichtweg gerne unterwegs, eben weil ich tagtäglich am Schreibtisch hocke und froh bin, wenn ich mal ausbrechen kann.

Neben allem beschäftige ich mich mit Musik. Ich lausche Alben bekannter und unbekannter Acts, sowohl im Indie- als auch im Elektronikbereich. Die Liebe zur elektronischen Musik insbesondere besteht schon sehr lange und gab den Ausschlag dafür, vor mehr als acht Jahren zusammen mit einem guten alten Freund aus gemeinsamen Schultagen das DJ Duo Kämmer vs L’Man zu gründen. Bei mir kommt zusätzlich noch hinzu, dass mich das Produzieren reizt. Also gründete ich ein Netlabel namens echolot, um eine Plattform für meine und die Produktionen meiner Freunde zu haben. Leider führt mein musikalisches Engagement bisher eher ein Randdasein. Für ein, zwei Live Mixes im Jahr, ein äußerst seltenes DJ Set alle paar Jahre und einige produzierte Tranks reicht’s dennoch.

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